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Posted by Walter Reicher on July 23, 1999 at 06:03:55:

In Reply to: Re: Texts needed for The Seasons posted by Walter Reicher on July 23, 1999 at 05:14:24:

Sorry, I've send you the text of Haydn's CREATION first. But here's the german text of Haydn's THE SEASONS:

Sincerely Yours

Dr. Walter Reicher
Artistic Director

Haydn Festspiele
Schloß Esterhazy
A-7000 Eisenstadt, Austria
Tel: ++43-2682-618 66
Fax:++43-2682-618 05
E-Mail: reicher@haydnfestival.at
http://www.haydnfestival.at



DIE JAHRESZEITEN


DER FRÜHLING

Nr.1, EINLEITUNG
Die Einleitung stellt den Übergang vom Winter zum Frühling vor.

REZITATIV

SIMON
Seht, wie der strenge Winter flieht,
zum fernen Pole zieht er hin.
Ihm folgt auf seinen Ruf
der wilden Stürme brausend Heer,
mit gräßlichem Geheul.

LUKAS
Seht, wie vom schroffen Fels der Schnee
in trüben Strömen sich ergießt!

HANNE
Seht, wie vom Süden her,
durch laue Winde sanft gelockt
der Frühlingsbote streicht.


Nr. 2, CHOR

DAS LANDVOLK
Komm, holder Lenz!
Des Himmels Gabe, komm!
Aus ihrem Todesschlaf
erwecke die Natur!

MÄDCHEN UND WEIBER
Es nahet sich der holde Lenz,
schon fühlen wir den linden Hauch,
bald lebet alles wieder auf.

DIE MÄNNER
Frohlocket ja nicht allzufrüh,
oft schleicht, in Nebel eingehüllt,
der Winter wohl zurück und streut
auf Blüt’ und Keim sein starres Gift.

ALLE
Komm, holder Lenz!
Des Himmels Gabe, komm!
Auf uns’re Fluren senke dich,
o komm, holder Lenz, o komm
und weile länger nicht.


Nr. 3, REZITATIV

SIMON
Vom Widder strahlet jetzt
die helle Sonn’ auf uns herab.
Nun weichen Frost und Dampf
und schweben laue Dünst’ umher;
der Erde Busen ist gelöst;
erheitert ist die Luft.


Nr. 4, ARIE

SIMON
Schon eilet froh der Ackersmann
zur Arbeit auf das Feld,
in langen Furchen schreitet er
dem Pfluge flötend nach.
In abgemeß’nem Gange dann
wirft er den Samen aus,
den birgt der Acker treu
und reift ihn bald zur gold’nen Frucht.


Nr. 5, REZITATIV

LUKAS
Der Landmann hat sein Werk vollbracht
und weder Müh’ noch Fleiß gespart:
Den Lohn erwartet er
aus Händen der Natur,
und fleht den Himmel an.


Nr. 6 TERZETT UND CHOR
BITTGESANG

LUKAS, dann CHOR
Sei nun gnädig, milder Himmel!
Öffne dich und träufe Segen
über unser Land herab!

LUKAS
Laß deinen Tau die Erde wässern!

SIMON
Laß Regenguß die Furchen tränken!

HANNE
Laß deine Lüfte wehen sanft,
laß deine Sonne scheinen hell!

HANNE, LUKAS, SIMON
Uns sprießet Überfluß alsdann,
und deiner Güte Dank und Ruhm.

CHOR
Sei nun gnädig, milder Himmel!
Öffne dich und träufe Segen
über unser Land herab!


Nr. 7, REZITATIV

HANNE
Erhört ist unser Fleh’n,
der laue West erwärmt und füllt
die Luft mit feuchten Dünsten an.
Sie häufen sich - nun fallen sie
und gießen in der Erde Schoß
den Schmuck und Reichtum der Natur.


NR. 8, FREUDENLIED
MIT ABWECHSELNDEM CHORE DER JUGEND

HANNE
O wie lieblich
ist der Anblick
der Gefilde jetzt!
Kommt, ihr Mädchen,
laßt uns wallen
auf der bunten Flur!

LUKAS
O wie lieblich
ist der Anblick
der Gefilde jetzt!
Kommt, ihr Burschen,
laßt uns wallen
zu dem grünen Hain!

HANNE, LUKAS
O wie lieblich, usw.

HANNE
Seht die Lilie,
seht die Rose,
seht die Blumen all’!

LUKAS
Seht die Auen,
seht die Wiesen,
seht die Felder all’!

HANNE
Seht die Erde,
seht die Wer,
seht die helle Luft!

LUKAS
Alles lebet,
alles schwebet,
alles reget sich.

HANNE
Seht die Lämmer,
wie sie springen!

LUKAS
Seht die Fische,
welch Gewimmel!

HANNE
Seht die Bienen,
wie sie schwärmen!

LUKAS
Seht die Vögel,
welch Geflatter!

CHOR
Alles lebet,
alles schwebet,
alles reget sich.

MÄDCHEN
Welche Freude,
welche Wonne
schwellet unser Herz!

BURSCHE
Süße Triebe,
sanfte Reize
heben uns’re Brust!

SIMON
Was ihr fühlet,
was euch reizet,
ist des Schöpfers Hauch.

CHOR
Laßt uns ehren,
laßt uns loben,
laßt uns preisen Ihn!

MÄNNER
Laßt erschallen,
ihm zu danken,
eure Stimmen hoch!

CHOR
Es erschallen,
ihm zu danken,
uns’re Stimmen hoch!


Nr. 9, CHOR MIT SOLI

ALLE
Ewiger, mächtiger, gütiger Gott!

HANNE, LUKAS, SIMON
Von Deinem Segensmahle
hast Du gelabet uns.

MÄNNER
Mächtiger Gott!

HANNE, LUKAS, SIMON
Vom Strome Deiner Freuden
hast Du getränket uns.
Gütiger Gott!

ALLE
Ewiger, mächtiger, gütiger Gott!

SIMON
Ewiger!

LUKAS
Mächtiger!

HANNE
Gütiger Gott!

ALLE
Ehre, Lob und Preis sei Dir,
ewiger, mächtiger, gütiger Gott!


DER SOMMER

Die Einleitung stellt die Morgendämmerung vor.


Nr. 10, REZITATIV

LUKAS
In grauem Schleier rückt heran
das sanfte Morgenlicht;
mit lahmen Schritten weicht vor ihm
die träge Nacht zurück.
Zu düst’ren Höhen flieht
der Leichenvögel blinde Schar;
ihr dumpfer Klageton
beklemmt das bange Herz nicht mehr.

SIMON
Des Tages Herold meldet sich;
mit scharfem Laute rufet er
zu neuer Tätigkeit
den ausgeruhten Landmann auf.


Nr. 11, ARIE

SIMON
Der munt’re Hirt versammelt nun
die frohen Herden um sich her,
zur fetten Weid’ auf grünen Höh’n
treibet er sie langsam fort.
Nach Osten blickend steht er dann,
auf seinem Stabe hingelehnt,
zu seh’n den ersten Sonnenstrahl,
welchem er entgegen harrt.


REZITATIV

HANNE
Die Morgenröte bricht hervor,
wie Rauch verflieget das leichte Gewolk,
der Himmel pranget im hellen Azur,
der Berge Gipfel im feurigen Gold.


Nr. 12, TERZETT UND CHOR

HANNE
Sie steigt herauf, die Sonne, sie steigt.

HANNE, LUKAS
Sie naht, sie kommt.

HANNE, LUKAS, SIMON
Sie strahlt, sie scheint.

CHOR
Sie scheint in herrlicher Pracht,
in flammender Majestät!
Heil! O Sonne, Heil!
Des Lichts und Lebens Quelle, Heil!
O du des Weltalls Seel’ und Aug’,
der Gottheit schönstes Bild!
Dich grüßen dankbar wir!

HANNE, LUKAS, SIMON
Wer spricht sie aus, die Freuden alle,
die deine Huld in uns erweckt?
Wer zählet sie, die Segen alle,
die deine Mild’ auf uns ergießt?

CHOR
Die Freuden! O wer spricht sie aus?
Die Segen! O wer zählet sie?
Wer spricht sie aus?
Wer zählet sie, wer?

HANNE
Dir danken wir, was uns ergötzt.

LUKAS
Dir danken wir, was uns belebt.

SIMON
Dir danken wir, was uns erhält.

HANNE, LUKAS, SIMON
Dem Schöpfer aber danken wir,
was deine Kraft vermag.

ALLE
Heil! O Sonne, Heil!
Des Lichts und Lebens Quelle, Heil!
Dir jauchzen alle Stimmen,
dir jauchzet die Natur.


Nr. 13, REZITATIV

SIMON
Nun regt und bewegt sich alles umher;
ein buntes Gewühle bedecket die Flur.
Dem braunen Schnitter neiget sich
der Saaten wallende Flut,
die Sense blitzt - da sinkt das Korn.
Doch steht es bald und aufgehäuft
in festen Garben wieder da.


Nr. 14, REZITATIV

LUKAS
Die Mittagssonne brennet jetzt in voller Glut
und gießt durch die entwölkte Luft
ihr mächtiges Feu’r in Strömen herab.
Ob den gesengten Flächen schwebt,
im nieder’n Qualm, ein blendend Meer
von Licht und Widerschein.


Nr. 15, CAVATINE

LUKAS
Dem Druck erlieget die Natur.
Welke Blumen, dürre Wiesen, trock’ne Quellen,
alles zeigt der Hitze Wut,
und kraftlos schmachten Mensch und Tier
am Boden hingestreckt.


Nr. 16, REZITATIV

HANNE
Willkommen jetzt, o dunkler Hain,
wo der bejahrten Eiche Dach
den kühlenden Schirm gewährt,
und wo der schlanken Espe Laub
mit leisem Gelispel rauscht!
Am weichen Moose rieselt da
in heller Flut der Bach,
und fröhlich summend irrt und wirrt
die bunte Sonnenbrut.
Der Kräuter reinen Balsamduft
verbreitet Zephirs Hauch,
und aus dem nahen Busche tönt
des jungen Schäfers Rohr.


Nr. 17, ARIE

HANNE
Welche Labung für die Sinne!
Welch’ Erholung für das Herz!
Jeden Aderzweig durchströmet,
und in jeder Nerve bebt
erquickendes Gefühl.
Die Seele wachet auf
zum reizenden Genuß,
und neue Kraft erhebt
durch milden Drang die Brust.


Nr. 18, REZITATIV

SIMON
O seht! Es steiget in der schwülen Luft
am hohen Saume des Gebirgs
von Dampf und Dunst ein fahler Nebel auf.
Empor gedrängt dehnt er sich aus,
und hüllet bald den Himmelsraum
in schwarzes Dunkel ein.

LUKAS
Hört, wie vom Tal ein dumpf Gebrüll
den wilden Sturm verkünd’t!
Seht, wie von Unheil schwer
die finst’re Wolke langsam zieht
und drohend auf die Eb’ne sinkt!


HANNE
In banger Ahnung stockt
das Leben der Natur:
Kein Tier, kein Blatt beweget sich,
und Todesstille herrscht umher.


Nr. 19, CHOR

CHOR
Ach, das Ungewitter naht!
Hilf uns, Himmel!
O wie der Donner rollt!
O wie die Winde toben!
Wo flieh’n wir hin?
Flammende Blitze durchwühlen die Luft,
den zackigen Keilen berstet die Wolke,
und Güsse stürzen herab.
Wo ist Rettung?
Wütend rast der Sturm;
der weite Himmel entbrennt.
Weh’ uns Armen!
Schmetternd krachen Schlag auf Schlag
die schweren Donner fürchterlich.
Weh’ uns! Weh’ uns!
Erschüttert wankt die Erde
bis in des Meeres Grund.


Nr. 20, TERZETT MIT CHOR

LUKAS
Die düst’ren Wolken trennen sich;
gestillet ist der Stürme Wut.

HANNE
Vor ihrem Untergange
blickt noch die Sonn’ empor;
und vor dem letzten Strahle glänzt
mit Perlenschmuck geziert die Flur.

SIMON
Zum langgewohnten Stalle kehrt
gesättigt und erfrischt das fette Rind zurück.

LUKAS
Den Gatten ruft die Wachtel schon.

HANNE
Im Grase zirpt die Grille froh.

SIMON
Und aus dem Sumpfe quakt der Frosch.

LUKAS, HANNE, SIMON
Die Abendglocke tönt.
Von oben winkt der helle Stern
und ladet uns zur sanften Ruh.

MÄNNER
Mädchen, Burschen, Weiber, kommt!
Unser wartet süßer Schlaf;
wie reines Herz, gesunder Leib
und Tagesarbeit ihn gewährt.

FRAUEN
Wir geh’n, wir geh’n, wir folgen euch.

ALLE
Die Abendglocke hat getönt.
Von oben winkt der helle Stern
und ladet uns zur sanften Ruh.

DER HERBST

Nr. 21, EINLEITUNG

Der Einleitung Gegenstand ist des Landmanns freudiges Gefühl über die reiche Ernte.


REZITATIV

HANNE
Was durch seine Blüte
der Lenz zuerst versprach,
was durch seine Wärme
der Sommer reifen hieß,
zeigt der Herbst in Fülle
dem frohen Landmann jetzt.


Nr. 22, REZITATIV

LUKAS
Den reichen Vorrat fährt er nun
auf hochbelad’nen Wagen ein.
Kaum faßt der weiten Scheune Raum,
was ihm sein Feld hervorgebracht.

SIMON
Sein heit’res Auge blickt umher,
es mißt den aufgetürmten Segen ab,
und Freude strömt in seine Brust.


Nr. 23, TERZETT MIT CHOR

SIMON
So lohnet die Natur den Fleiß;
ihn ruft, ihn lacht sie an,
ihn muntert sie durch Hoffnung auf,
ihm steht sie willig bei;
ihm wirket sie mit voller Kraft.

HANNE, LUKAS
Von dir, o Fleiß, kommt alles Heil.
Die Hütte, die uns schirmt,
die Wolle, die uns deckt,
die Speise, die uns nährt,
ist deine Gab’, ist dein Geschenk.

HANNE, LUKAS, SIMON
O Fleiß, o edler Fleiß!
Von dir kommt alles Heil!

HANNE
Du flößest Tugend ein,
und rohe Sitten milderst du.

LUKAS
Du wehrest Laster ab
und reinigest der Menschen Herz.

SIMON
Du stärkest Mut und Sinn
zum Guten und zu jeder Pflicht.

ALLE
O Fleiß, o edler Fleiß!
Von dir kommt alles Heil!


Nr. 24, REZITATIV

HANNE
seht, wie zum Haselbusche dort
die rasche Jugend eilt!
An jedem Aste schwinget sich
der Kleinen lose Schar,
und der bewegten Staud’ entstürzt
gleich Hagelschau’r die lock’re Frucht.

SIMON
Hier klimmt der junge Bau’r
den hohen Stamm entlang,
die Leiter flink hinauf.
Vom Wipfel, der ihn deckt,
sieht er sein Liebchen nah’n,
und ihrem Tritt entgegen
fliegt dann in trautem Scherze
die runde Nuß herab.

LUKAS
Im Garten steh’n um jeden Baum
die Mädchen groß und klein,
dem Obste, das sie klauben,
an frischer Farbe gleich.


Nr. 25, DUETT

LUKAS
Ihr Schönen aus der Stadt, kommt her!
Blickt an die Tochter der Natur,
die weder Putz noch Schminke ziert.
Da seht mein Hannchen, seht!
Ihr blüht Gesundheit auf den Wangen;
im Auge lacht Zufriedenheit,
und aus dem Munde spricht das Herz,
wenn sie mir Liebe schwört.

HANNE
Ihr Herrchen süß und fein, bleibt weg!
Hier schwinden eure Künste ganz,
und glatte Worte wirken nicht;
man gibt euch kein Gehör.
Nicht Gold, nicht Pracht kann uns verblenden,
ein redlich Herz ist, was uns rührt;
und meine Wünsche sind erfüllt,
wenn treu mir Lukas ist.

LUKAS
Blätter fallen ab,
Früchte welken hin,
Tag und Jahr vergeh’n,
nur meine Liebe nicht.

HANNE
Schöner grünt das Blatt,
süßer schmeckt die Frucht,
heller glänzt der Tag,
wenn deine Liebe spricht.

LUKAS, HANNE
Welch ein Glück ist treue Liebe!
Uns’re Herzen sind vereinet,
trenn kann sie Tod allein.

LUKAS
Liebstes Hannchen!

HANNCHEN
Bester Lukas!

HANNE, LUKAS
Lieben und geliebet werden,
ist der Freuden höchster Gipfel,
ist des Lebens Wonn’ und Glück!


Nr. 26, REZITATIV

Nun zeiget das entblößte Feld
der ungebet’nen Gäste Zahl,
die an den Halmen Nahrung fand
und irrend jetzt sie weitersucht.
Des kleinen Raubes klaget nicht
der Landmann, der ihn kaum bemerkt;
dem Übermaße wünscht er doch
nicht ausgestellt zu sein.
Was ihn dagegen sichern mag,
sieht er als Wohltat an,
und willig frohnt er dann zur Jagd,
die seinen guten Herrn ergötzt.


Nr. 27, ARIE

SIMON
Seht auf die breiten Wiesen hin,
Seht, wie der Hund im Grase streift!
Am Boden suchet er die Spur
und geht ihr unablässig nach.
Jetzt aber reißt Begierd’ ihn fort;
er horcht auf Ruf und Stimme nicht mehr;
er eilet zu haschen - da stockt sein Lauf,
und er steht unbewegt wie Stein.
Dem nahen Feinde zu entgeh’n
erhebt der scheue Vogel sich;
doch rettet ihn nicht schneller Flug.
Es blitzt, es knallt, ihn erreichet das Blei
und wirft ihn tot aus der Luft herab.


Nr. 28, REZITATIV

LUKAS
Hier treibt ein dichter Kreis
die Hasen aus dem Lager auf.
Von allen Seiten hergedrängt,
hilft ihnen keine Flucht.
Schon fallen sie und liegen bald
in Reihen freudig hingezählt.


Nr. 29 CHOR
DES LANDVOLKS UND DER JÄGER

MÄNNER
Hört, hört das laute Getön,
das dort im Walde klinget!

FRAUEN
Welch ein lautes Getön
durchklingt den ganzen Wald!

ALLE
Es ist der gellenden Hörner Schall,
der gierigen Hunde Gebelle.

MÄNNER
Schon flieht der aufgesprengte Hirsch;
ihm rennen die Doggen und Reiter nach.

FRAUEN
Er flieht, er flieht.
O wie er sich streckt!

ALLE
Ihm rennen die Doggen und Reiter nach.
O wie er springt! O wie er sich streckt!

FRAUEN
Da bricht er aus den Gesträuchen hervor
und läuft über Feld in das icht hinein.

MÄNNER
Jetzt hat er die Hunde getäuscht;
zerstreuet schwärmen sie umher.

ALLE
Die Hunde sind zerstreut:
sie schwärmen hin und her.

DIE JÄGER
Tajo, tajo, tajo!

MÄNNER
Der Jäger Ruf, der Hörner Klang
versammelt aufs neue sie.

DIE JÄGER
Ho, ho, ho! Tajo! Ho, ho!

Männer UND FRAUEN
Mit doppeltem Eifer stürzet nun
der Haufe vereint auf die Fährte los.

DIE JÄGER
Tajo, tajo, tajo!

FRAUEN
Von seinen Feinden eingeholt,
an Mut und Kräften ganz erschöpft,
erlieget nun das schnelle Tier.

MÄNNER
Sein nahes Ende kündigt an
des tönenden Erzes Jubellied,
der freudigen Jäger Siegeslaut.

DIE JÄGER
Halali! Halali! Halali!

FRAUEN
Den Tod des Hirschen kündigt an
des tönenden Erzes Jubellied,
der freudigen Jäger Siegeslaut.

DIE JÄGER
Halali! Halali! Halali!

ALLE
Den Tod des Hirschen kündigt an
des tönenden Erzes Jubellied,
der freudigen Jäger Siegeslaut.
Halali! Halali! Halali!


Nr. 30, REZITATIV

HANNE
Am Rebenstocke blinket jetzt
die helle Traub’ in vollem Safte
und ruft dem Winzer freundlich zu,
daß er zu lesen sie nicht weile.

SIMON
Schon werden Kuf’ und Faß
zum Hügel hingebracht,
und aus den Hütten strömet
zum frohen Tagewerke
das munt’re Volk herbei.

HANNE
Seht, wie den Berg hinan
von Menschen alles wimmelt!
Hört, wie der Freudenton
von jeder Seit’ erschallet.

LUKAS
Die Arbeit fördert lachender Scherz
vom Morgen bis zum Abend hin,
und dann erhebt der brausende Most
die Fröhlichkeit zum Lustgeschrei.


Nr. 31, CHOR

ALLE
Juchei! Juchei! Der Wein ist da,
die Tonnen sind gefüllt,
nun laßt uns fröhlich sein,
und Juchei! Juchei! Juch!
Aus vollem Halse schrei’n.

MÄNNER
Laßt uns trinken!
Trinket, Brüder,
laßt uns fröhlich sein!

FRAUEN
Laßt uns singen!
Singet alle!
Laßt uns fröhlich sein!

ALLE
Juchei! Juch! Es lebe der Wein!

MÄNNER
Es lebe das Land, wo er uns reift!
Es lebe das Faß, das ihn verwahrt!
Es lebe der Krug, aus dem er fließt!

ALLE
Juchei! Juch! Es lebe der Wein!

MÄNNER
Kommt, ihr Brüder!
Füllt die Kannen,
leert die Becher!
Laßt uns fröhlich sein!

ALLE
Heisa! Laßt uns fröhlich sein
und Juchei! Juchei! Juch!
Aus vollem Halse schrei’n.
Juchei! Juch! Juch!
Es lebe der Wein!

FRAUEN
Nun tönen die Pfeifen
und wirbelt die Trommel.
Hier kreischet die Fiedel,
da schnarret die Leier,
und dudelt der Bock.

MÄNNER
Schon hüpfen die Kleinen
und springen die Knaben,
dort fliegen die Mädchen,
im Arme der Bursche,
den ländlichen Reih’n.

FRAUEN
Heisa, hopsa, laßt uns hüpfen!

MÄNNER
Ihr Brüder, kommt!

FRAUEN
Heisa, hopsa, laßt uns springen!

MÄNNER
Die Kannen füllt!

FRAUEN
Heisa, hopsa, laßt uns tanzen!

MÄNNER
Die Becher leert!

ALLE
Heisa! Laßt uns fröhlich sein
und Juchei! Juchei! Juch!
aus vollem Halse schrei’n.

MÄNNER
Jauchzet, lärmet!
Springet, tanzet!
Lachet, singet!
Nun fen wir den letzten Krug!

ALLE ÜBRIGEN
Heisa! Juchei! Juch!
Heisasa! Hopsasa! Heisa! Hopsa! usw.

MÄNNER
Und singen dann im vollen Chor
dem freudenreichen Rebensaft:

ALLE ÜBRIGEN
Heisa, hei! Juchei! Juch!
Heisasa! Juch!

ALLE
Es lebe der Wein, der edle Wein,
der Grillen und Harm verscheucht!
Sein Lob ertöne laut und hoch
in tausendfachem Jubelschall!
Heisa, laßt uns fröhlich sein
und Juchei! Juchei! Juch!
aus vollem Halse schrei’n.


DER WINTER

Nr. 32, EINLEITUNG

Die Einleitung schildert die en Nebel, womit der Winter anfängt.


Nr. 33, REZITATIV

SIMON
Nun senket sich das ble Jahr
und fallen Dünste kalt herab.
Die Berg’ umhüllt ein grauer Dampf,
der endlich auch die Flächen drückt,
und am Mittage selbst
der Sonne matten Strahl verschlingt.

HANNE
Aus Lapplands Höhlen schreitet her
der stürmisch düst’re Winter jetzt.
Vor seinem Tritt erstarrt
in banger Stille die Natur.


Nr. 34, CAVATINE

HANNE
Licht und Leben sind geschwächet,
Wärm’ und Freude sind verschwunden.
Unmutsvollen Tagen folget
schwarzer Nächte lange Dauer.


Nr. 35, REZITATIV

LUKAS
Gefesselt steht der breite See,
gehemmt in seinem Laufe der Strom.
Im Sturze von türmenden Felsen hängt
gestockt und stumm der Werfall.
Im dürren Haine tönt kein Laut.
Die Felder deckt, die Täler füllt
ein’ ungeheure Flockenlast.
Der Erde Bild ist nur ein Grab,
wo Kraft und Reiz erstorben liegt,
wo Leichenfarbe traurig herrscht
und wo dem Blicke weit umher
nur öde Wüstenei sich zeigt.


Nr. 36, ARIE

LUKAS
Hier steht der Wand’rer nun
verwirrt und zweifelhaft,
wohin den Schritt er lenken soll.
Vergebens suchet er den Weg:
Ihn leitet weder Pfad noch Spur.
Vergebens strenget er sich an
und watet durch den tiefen Schnee,
er find’t sich immer mehr verirrt.
Jetzt sinket ihm der Mut,
und Angst beklemmt sein Herz,
da er den Tag sich neigen sieht,
und Müdigkeit und Frost
ihm alle Glieder lähmt.
Doch plötzlich trifft sein spähend Aug’
der Schimmer eines nahen Lichts.
Da lebt er wieder auf;
vor Freuden pocht sein Herz.
Er geht, er eilt der Hütte zu,
wo starr und matt er Labung hofft.


Nr. 37, REZITATIV

LUKAS
So wie er naht, schallt in sein Ohr,
durch heulende Winde nur erst geschreckt,
heller Stimmen lauter Klang.

HANNE
Die warme Stube zeigt ihm dann
des Dörfchens Nachbarschaft,
vereint in trautem Kreise
den Abend zu verkürzen
mit leichter Arbeit und Gespräch.

SIMON
Am Ofen schwatzen hier
von ihrer Jugendzeit die Väter;
zu Körb’ und Reusen flicht
die Weidengert’ und Netze Strickt
der Söhne munt’rer Haufe dort.
Am Rocken spinnen die Mütter,
am laufenden Rade die Töchter;
und ihren Fleiß belebt
ein ungekünstelt frohes Lied.


Nr. 38 LIED MIT CHOR
(„Spinnerlied“
von Gottfried August Bürger)

FRAUEN UND MÄDCHEN
Knurre, schnurre, knurre,
schnurre, Rädchen, schnurre!

HANNE
Drille, Rädchen, lang und fein,
drille fein ein Fädelein
mir zum Busenschleier!

FRAUEN UND MÄDCHEN
Knurre, schnurre, knurre,
schnurre, Rädchen, schnurre!

HANNE
Weber, webe zart und fein,
webe fein das Schleierlein
mir zur Kirmesfeier.

FRAUEN UND MÄDCHEN
Knurre, schnurre, knurre,
schnurre, Rädchen, schnurre!

HANNE
Außen blank und innen rein,
fleißig, fromm und sittsam sein,
locket wack’re Freier.

ALLE
Außen blank und innen rein,
fleißig, fromm und sittsam sein,
locket wack’re Freier.


Nr. 39, REZITATIV

LUKAS
Abgesponnen ist der Flachs,
nun steh’n die Räder still.
Da wird der Kreis verengt
und von dem Männervolk umringt,
zu horchen auf die neue Mär,
die Hanne jetzt erzählen wird.


Nr. 40, LIED MIT CHOR

HANNE
Ein Mädchen, das auf Ehre hielt,
liebt’ einst ein’ Edelmann;
da er schon längst auf sie gezielt,
traf er allein sie an.
Er stieg sogleich vom Pferd und sprach:
Komm, küsse deinen Herrn!
Sie rief vor Angst und Schrecken:
Ach! Ach ja, von Herzen gern.

CHOR
Ei, ei, warum nicht nein?

HANNE
Sei ruhig, sprach er, liebes Kind,
und schenke mir dein Herz;
denn meine Lieb’ ist treu gesinnt,
nicht Leichtsinn oder Scherz.
Dich mach ich glücklich: Nimm dies Geld,
den Ring, die gold’ne Uhr!
Und hab’ ich sonst, was dir gefällt,
o sag’s und ford’re nur!

CHOR
Ei, ei, das klingt recht fein!

HANNE
Nein, sagt sie, das wär’ viel gewagt,
mein Bruder möchte’ es seh’n,
und wenn er’s meinem Vater sagt,
wie wird mir’s dann ergeh’n?
Er ackert uns hier allzu nah ...
Sonst könnt’ es wohl gescheh’n.
Schaut nur, von jenem Hügel da
könnt Ihr ihn ackern seh’n.

CHOR
Ho, ho, was soll das sein?

HANNE
Indem der Junker geht und sieht,
schwingt sich das lose Kind
auf seinen Rappen und entflieht
geschwinder als der Wind.
Lebt wohl, rief sie, mein gnäd’ger Herr!
So räch’ ich meine Schmach.
Ganz eingewurzelt stehet er
und gafft ihr staunend nach.

CHOR
Ha, ha, das war recht fein.


Nr. 41, REZITATIV

SIMON
Vom dürren Osten dringt
ein scharfer Eishauch jetzt hervor.
Schneidend fährt er durch die Luft,
verzehret jeden Dunst
und hascht des Tieres Odem selbst.
Des grimmigen Tyranns,
des Winters Sieg ist nun vollbracht,
und stummer Schrecken drückt
den ganzen Umfang der Natur.


Nr. 42, Arie

SIMON
Erblicke hier, betörter Mensch,
erblicke deines Lebens Bild.
Verblühet ist dein kurzer Lenz,
erschöpfet deines Sommers Kraft.
Schon welkt dein Herbst dem Alter zu,
schon naht der bleiche Winter sich
und zeiget dir das off’ne Grab.
Wo sind sie nun, die hoh’n Entwürfe,
die Hoffnungen vom Glück,
die Sucht nach eitlem Ruhme,
der Sorgen schwere Last?
Wo sind sie nun, die Wonnetage,
verschwelgt in Üppigkeit?
Und wo die frohen Nächte,
im Taumel durchgewacht?
Verschwunden sind sie wie ein Traum.
Nur Tugend bleibt.


Nr. 43, REZITATIV

SIMON
Die bleibt allein
und leitet uns, unwandelbar,
durch Zeit und Jahreswechsel,
durch Jammer oder Freude
bis zu den höchsten Zielen hin.


Nr. 44, TERZETT UND DOPPELCHOR

SIMON
Dann bricht der große Morgen an,
der Allmacht zweites Wort erweckt
zum neuen Dasein uns,
von Pein und Tod auf immer frei.

LUKAS, SIMON
Die Himmelspforten öffnen sich,
der heil’ge Berg erscheint.
Ihn krönt des Herren Zelt,
wo Ruh’ und Frieden thront.

ERSTER CHOR
Wer darf durch diese Pforten geh’n?

HANNE, LUKAS, SIMON
Der Arges mied und Gutes tat.

ZWEITER CHOR
Wer darf besteigen diesen Berg?

HANNE, LUKAS, SIMON
Von dessen Lippen Wahrheit floß.

ERSTER CHOR
Wer darf in diesem Zelte wohnen?

HANNE, LUKAS, SIMON
Der Armen und Bedrängten half.

ZWEITER CHOR
Wer wird den Frieden dort genießen?

HANNE, LUKAS, SIMON
Der Schutz und Recht der Unschuld gab.

ERSTER CHOR
O seht, der große Morgen naht.

ZWEITER CHOR
O seht, er leuchtet schon.

BEIDE CHÖRE
Die Himmelspforten öffnen sich,
der heil’ge Berg erscheint.

ERSTER CHOR
Vorüber sind,

ZWEITER CHOR
verbrauset sind

ERSTER CHOR
die leidenvollen Tage,

ZWEITER CHOR
des Lebens Winterstürme.

BEIDE CHÖRE
Ein ew’ger Frühling herrscht;
und grenzenlose Seligkeit
wird der Gerechten Lohn!
Laßt uns wirken, laßt uns streben!

ERSTER CHOR
Laßt uns kämpfen,

ZWEITER CHOR
laßt uns harren,

BEIDE CHÖRE
zu erringen diesen Preis.
Uns leite Deine Hand, o Gott!
Verleih’ uns Stärk’ und Mut;
dann siegen wir, dann geh’n wir ein
in Deines Reiches Herrlichkeit.
Amen.



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