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Posted by Walter Reicher on July 23, 1999 at 05:14:24:
In Reply to: Texts needed for The Seasons posted by Jwee-Hua Soh on July 07, 1999 at 11:27:31:
Erster Teil
Nr. 1. Einleitung
Rezitativ mit Chor
RAPHAEL:
Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde; und die Erde
war ohne Form und leer; und Finsternis war auf der Fläche
der Tiefe.
CHOR:
Und der Geist Gottes
Schwebte auf der Fläche der Wer,
Und Gott sprach: „Es werde Licht!“
Und es ward Licht.
URIEL:
Und Gott sah das Licht, daß es gut war; und Gott schied
das Licht von der Finsternis.
Nr. 2. Arie mit Chor
URIEL
Nun schwanden vor dem heiligen Strahle
Des schwarzen Dunkels gräuliche Schatten;
Der erste Tag entstand.
Verwirrung weicht, und Ordnung keimt empor.
Erstarrt entflieht der Höllengeister Schar
In des Abgrunds Tiefen hinab
Zur ewigen Nacht.
CHOR
Verzweiflung, Wut und Schrecken
Begleiten ihren Sturz.
Und eine neue Welt
Entspringt auf Gottes Wort.
Nr. 3. Rezitativ
RAPHAEL
Und Gott machte das Firmament und teilte die Wer, die
unter dem Firmament waren, von den Gewässern, die ober
dem Firmament waren, und es ward so.
Da tobten brausend heftige Stürme. Wie Spreu vor dem
Winde, so flogen die Wolken. Die Luft durchschnitten feurige
Blitze, und schrecklich rollten die Donner umher. Der Flut
entstieg auf sein Geheiß der allerquickende Regen, der
allverheerende Schauer, der leichte, flockige Schnee.
Nr. 4. Solo mit Chor
GABRIEL
Mit Staunen sieht das Wunderwerk
Der Himmelsbürger frohe Schar,
Und laut ertönt aus ihren Kehlen
Des Schöpfers Lob,
Das Lob des zweiten Tags.
CHOR
Und laut ertönt aus ihren Kehlen
Des Schöpfers Lob,
Das Lob des zweiten Tags.
Nr. 5. Rezitativ
RAPHAEL
Und Gott sprach: „Es sammle sich das Wer unter dem
Himmel zusammen an einem Platz, und es erscheine das
trockene Land!“ und es ward so. Und Gott nannte das trockene
Land Erde, und die Sammlung der Wer nannte er Meer, und
Gott sah, daß es gut war.
Nr. 6. Arie
RAPHAEL
Rollend in schäumenden Wellen
Bewegt sich ungestüm das Meer.
Hügel und Felsen erscheinen,
Der Berge Gipfel steigt empor.
Die Fläche, weit gedehnt,
Durchläuft der breite Strom
In mancher Krümme.
Leise rauschend gleitet fort
Im stillen Tal der helle Bach.
Nr. 7. Rezitativ
GABRIEL
Und Gott sprach: „Es bringe die Erde Gras hervor, Kräuter, die
Samen geben, und Obstbäume, die Früchte bringen ihrer Art
gemäß, die ihren Samen in sich selbst haben auf der Erde!“
und es ward so.
Nr. 8. Arie
GABRIEL
Nun beut die Flur das frische Grün
Dem Auge zur Ergötzung dar;
Den anmutsvollen Blick
Erhöht der Blumen sanfter Schmuck.
Hier duften Kräuter Balsam aus,
Hier sproßt den Wunden Heil.
Die Zweige krümmt der goldnen Früchte Last;
Hier wölbt der Hain zum kühlen Schirme sich;
Den steilen Berg bekrönt ein dichter Wald.
Nr. 9. Rezitativ
URIEL
Und die himmlischen Heerscharen verkündigten den dritten
Tag, Gott preisend und sprechend:
Nr. 10. Chor
CHOR
Stimmt an die Saiten, ergreift die Leier!
Laßt euren Lobgesang erschallen!
Frohlocket dem Herrn, dem mächtigen Gott!
Denn er hat Himmel und Erde
Bekleidet in herrlicher Pracht.
Nr. 11. Rezitativ
URIEL
Und Gott sprach: „Es sei’n Lichter an der Feste des Himmels,
um den Tag von der Nacht zu scheiden, und Licht auf der Erde
zu geben; und es sei’n diese für Zeichen und für Zeiten, und für
Tage und für Jahre.“ Er machte die Sterne gleichfalls.
Nr. 12. Rezitativ
URIEL
In vollem Glanze steiget jetzt
Die Sonne strahlend auf;
Ein wonnevoller Bräutigam,
Ein Riese stolz und froh,
Zu rennen seine Bahn.
Mit leisem Gang und sanftem Schimmer
Schleicht der Mond die stille Nacht hindurch.
Den ausgedehnten Himmelsraum
Ziert ohne Zahl der hellen Sterne Gold,
Und die Söhne Gottes
Verkündigten den vierten Tag
Mit himmlischem Gesang,
Seine Macht ausrufend also:
Nr. 13. Terzett mit Chor
CHOR
Die Himmel erzählen die Ehre Gottes;
Und seiner Hände Werk
Zeigt an das Firmament.
GABRIEL, URIEL, RAPHAEL
Dem kommenden Tage sagt es der Tag:
Die Nacht, die verschwand, der folgenden Nacht.
CHOR
Die Himmel erzählen die Ehre Gottes;
Und seiner Hände Werk
Zeigt an das Firmament.
GABRIEL, URIEL, RAPHAEL
In alle Welt ergeht das Wort,
Jedem Ohre klingend,
Keiner Zunge fremd.
CHOR
Die Himmel erzählen die Ehre Gottes;
Und seiner Hände Werk
Zeigt an das Firmament.
Zweiter Teil
Nr. 14. Rezitativ
GABRIEL
Und Gott sprach: „Es bringe das Wer in der Fülle hervor
webende Geschöpfe, die Leben haben, und Vögel, die über der
Erde fliegen mögen in dem offenen Firmamente des Himmels.“
Nr. 15. Arie
GABRIEL
Auf starkem Fittige
Schwinget sich der Adler stolz
Und teilet die Luft
Im schnellsten Fluge
Zur Sonne hin.
Den Morgen grüßt
Der Lerche frohes Lied,
Und Liebe girrt
Das zarte Taubenpaar.
Aus jedem Busch und Hain erschallt
Der Nachtigallen süße Kehle.
Noch drückte Gram nicht ihre Brust,
Noch war zur Klage nicht gestimmt
Ihr reizender Gesang.
Nr. 16. Rezitativ
RAPHAEL
Und Gott schuf große Walfische und ein jedes
Lebende Geschöpf, das sich beweget,
Und Gott segnete sie, sprechend:
„Seid fruchtbar alle, mehret euch!
Bewohner der Luft, vermehret euch
Und singt auf jedem Aste!
Mehret euch, ihr Flutenbewohner,
Und füllet jede Tiefe!
Seid fruchtbar, wachset, mehret euch!
Erfreuet euch in eurem Gott!“
Nr. 17. Rezitativ
RAPHAEL
Und die Engel rührten ihr` unsterblichen Harfen, und sangen
die Wunder des fünften Tags.
Nr. 18. Terzett
GABRIEL
In holder Anmut stehn,
Mit jungem Grün geschmückt,
Die wogichten Hügel da.
Aus ihren Adern quillt,
In fließendem Kristall,
Der kühlende Bach hervor.
URIEL
In frohen Kreisen schwebt,
Sich wiegend in der Luft,
Der munteren Vögel Schar,
Den bunten Federglanz
Erhöht im Wechselflug
Das goldene Sonnenlicht.
RAPHAEL
Das helle Naß durchblitzt
Der Fisch und windet sich
In stetem Gewühl umher.
Vom tiefsten Meeresgrund
Wälzet sich Leviathan
Auf schäumender Well` empor.
GABRIEL, URIEL, RAPHAEL
Wie viel sind deiner Werk`, o Gott!
Wer fet ihre Zahl?
Wer? O Gott!
Nr. 19. Terzett mit Chor
GABRIEL,URIEL, RAPHAEL und CHOR
Der Herr ist groß in seiner Macht,
Und ewig bleibt sein Ruhm.
Nr. 20. Rezitativ
RAPHAEL
Und Gott sprach: „Es bringe die Erde hervor lebende
Geschöpfe nach ihrer Art, Vieh und kriechendes Gewürm,
und Tiere der Erde nach ihren Gattungen.“
Nr. 21. Rezitativ
RAPHAEL
Gleich öffnet sich der Erde Schoß,
Und sie gebiert auf Gottes Wort
Geschöpfe jeder Art,
In vollem Wuchs und ohne Zahl.
Vor Freude brüllend steht der Löwe da.
Hier schießt der gelenkige Tiger empor.
Das zackig` Haupt erhebt der schnelle Hirsch.
Mit fliegender Mähne springt und wieh`rt
Voll Mut und Kraft das edle Roß.
Auf grünen Matten weidet schon
Das Rind, in Herden abgeteilt.
Die Triften deckt, als wie gesät,
Das wollenreiche, sanfte Schaf.
Wie Staub verbreitet sich
In Schwarm und Wirbel
Das Heer der Insekten.
In langen Zügen kriecht
Am Boden das Gewürm.
Nr. 22. Arie
RAPHAEL
Nun scheint in vollem Glanze der Himmel,
Nun prangt in ihrem Schmucke die Erde.
Die Luft erfüllt das leichte Gefieder,
Die Wer schwellt der Fische Gewimmel.
Den Boden drückt der Tiere Last.
Doch war noch alles nicht vollbracht,
Dem Ganzen fehlte das Geschöpf,
Das Gottes Werke dankbar sehn,
Des Herren Güte preisen soll.
Nr. 23. Rezitativ
URIEL
Und Gott schuf den Menschen nach seinem Ebenbilde. Nach
dem Ebenbilde Gottes schuf er ihn. Mann und Weib erschuf er
sie. Den Atem des Lebens hauchte er in sein Angesicht, und
der Mensch wurde zur lebendigen Seele.
Nr. 24. Arie
URIEL
Mit Würd` und Hoheit angetan,
Mit Schönheit, Stärk` und Mut begabt,
Gen Himmel aufgerichtet, steht der Mensch,
Ein Mann und König der Natur.
Die breit gewölbt erhabne Stirn
Verkünd`t der Weisheit tiefen Sinn,
Und aus dem hellen Blicke strahlt
Der Geist, des Schöpfers Hauch und Ebenbild.
An seinen Busen schmieget sich,
Für ihn, aus ihm geformt,
Die Gattin hold und anmutsvoll.
In froher Unschuld lächelt sie,
Des Frühlings reizend Bild,
Ihm Liebe, Glück und Wonne zu.
Nr. 25. Rezitativ
RAPHAEL
Und Gott sah jedes Ding, was er gemacht hatte, und es war sehr
gut; und der himmlische Chor feierte das Ende des sechsten
Tages mit lautem Gesang.
Nr. 26. Chor
CHOR
Vollendet ist das große Werk,
Der Schöpfer sieht`s und freuet sich.
Auch unsre Freud` erschalle laut.
Des Herren Lob sei unser Lied!
Nr. 27. Terzett
GABIREL, URIEL
Zu dir, o Herr, blickt alles auf;
Um Speise fleht dich alles an.
Du öffnest deine Hand,
Gesättigt werden sie.
RAPHAEL
Du wendest ab dein Angesicht;
Da bebet alles und erstarrt.
Du nimmst den Odem weg;
In Staub zerfallen sie.
GABIREL, URIEL, RAPHAEL
Den Odem hauchst du wieder aus,
Und neues Leben sproßt hervor.
Verjüngt ist die Gestalt der Erd`
An Reiz und Kraft.
Nr. 28. Chor
CHOR
Vollendet ist das große Werk.
Des Herren Lob sei unser Lied!
Alles lobe seinen Namen,
Denn er allein ist hoch erhaben!
Alleluja! Alleluja!
Dritter Teil
Nr. 29. Rezitativ
URIEL
Aus Rosenwolken bricht,
Geweckt durch süßen Klang,
Der Morgen jung und schön.
Vom himmlischen Gewölbe
Strömt reine Harmonie
Zur Erde hinab.
Seht das beglückte Paar,
Wie Hand in Hand es geht!
Aus ihren Blicken strahlt
Des heißen Danks Gefühl.
Bald singt in lautem Ton
Ihr Mund des Schöpfers Lob.
Laßt unsre Stimme dann
Sich mengen in ihr Lied!
Nr. 30. Duett mit Chor
EVA und ADAM
Von deiner Güt`, o Herr und Gott,
Ist Erd` und Himmel voll.
Die Welt, so groß, so wunderbar,
Ist deiner Hände Werk.
CHOR
Gesegnet sei des Herren Macht!
Sein Lob erschall` in Ewigkeit!
ADAM
Der Sterne hellster, o wie schön
Verkündest du den Tag!
Wie schmückst du ihn, o Sonne du,
Des Weltalls Seel` und Aug!
CHOR
Macht kund auf eurer weiten Bahn
Des Herren Macht und seinen Ruhm!
EVA
Und du, der Nächte Zierd` und Trost,
Und all das strahlend Heer,
Verbreitet überall sein Lob
In eurem Chorgesang!
ADAM
Ihr Elemente, deren Kraft
Stets neue Formen zeugt,
Ihr Dünst` und Nebel, die
Der Wind versammelt und vertreibt.
EVA, ADAM und CHOR
Lobsinget alle Gott dem Herrn!
Groß, wie sein Nam`, ist seine Macht!
EVA
Sanft rauschend lobt, o Quellen, ihn!
Den Wipfel neigt, ihr Bäum`!
Ihr Pflanzen, duftet, Blumen haucht
Ihm euren Wohlgeruch!
ADAM
Ihr, deren Pfad die Höhn erklimmt,
Und ihr, die niedrig kriecht,
Ihr, deren Flug die Luft durchschneid`,
Und ihr im tiefen Naß:
EVA, ADAM und CHOR
Ihr Tiere, preiset alle Gott!
Ihn lobe, was nur Odem hat!
EVA und ADAM
Ihr dunklen Hain`, ihr Berg` und Tal`,
Ihr Zeugen unsres Danks,
Ertönen sollt ihr früh und spät
Von unsrem Lobgesang.
CHOR
Heil dir, o Gott! O Schöpfer, Heil!
Aus deinem Wort entstand die Welt.
Dich beten Erd und Himmel an;
Wir preisen dich in Ewigkeit.
Nr. 31. Rezitativ
ADAM
Nun ist die erste Pflicht erfüllt;
Dem Schöpfer haben wir gedankt.
Nun folge mir, Gefährtin meines Lebens!
Ich leite dich, und jeder Schritt
Weckt neue Freud` in unsrer Brust,
Zeigt Wunder überall.
Erkennen sollst du dann,
Welch unaussprechlich Glück
Der Herr uns zugedacht,
Ihn preisen immerdar,
Ihm weihen Herz und Sinn.
Komm, folge mir! Ich leite dich!
EVA
O du, für den ich ward!
Mein Schirm, mein Schild, mein All!
Dein Will` ist mir Gesetz.
So hat`s der Herr bestimmt,
Und dir gehorchen, bringt
Mir Freude, Glück und Ruhm.
Nr. 32. Duett
ADAM
Holde Gattin! Dir zur Seite
Fließen sanft die Stunden hin.
Jeder Augenblick ist Wonne;
Keine Sorge trübet sie.
EVA
Teurer Gatte! Dir zur Seite
Schwimmt in Freuden mir das Herz.
Dir gewidmet ist mein Leben;
Deine Liebe sei mein Lohn.
ADAM
Der tauende Morgen,
O wie ermuntert er!
EVA
Die Kühle des Abends,
O wie erquicket sie!
ADAM
Wie labend ist
Der runden Früchte Saft!
EVA
Wie reizend ist
Der Blumen süßer Duft!
EVA und ADAM
Doch ohne dich, was wäre mir
ADAM
Der Morgentau,
EVA
Der Abendhauch,
ADAM
Der Früchte Saft,
EVA
der Blumenduft.
EVA und ADAM
Mit dir erhöht sich jede Freude,
Mit dir genieß` ich doppelt sie;
Mit dir ist Seligkeit das Leben;
Dir sei es ganz geweiht.
Nr. 33. Rezitativ
URIEL
O glücklich Paar, und glücklich immerfort, wenn falscher
Wahn euch nicht verführt noch mehr zu wünschen, als ihr habt,
und mehr zu wissen, als ihr sollt!
Nr. 34. Soli und Chor
Singt dem Herrn alle Stimmen!
Dankt ihm alle seine Werke!
Laßt zu Ehren seines Namens
Lob in Wettgesang erschallen!
Des Herren Ruhm, er bleibt in Ewigkeit!
Amen! Amen!